Wenn ich höre, dass Pilates oft als „Yoga ohne Spiritualität“ bezeichnet wird, muss ich schmunzeln. Diese Einteilung ist zu einfach und verkennt die Tiefe beider Disziplinen. Pilates ist für mich nie nur die „körperliche“ Alternative zum „spirituellen“ Yoga gewesen. Ich setze beide Modalitäten schon lange in meiner Praxis ein. Während Yoga ein Lebensweg und eine Philosophie ist, mit der viel verbunden wir, ist Pilates eher ein Workout, aber dennoch weit entfernt von einem stumpfen Fitnesskurs.
Weswegen mache ich also aktuell eine Fortbildung im Yogalates? Die Antwort ist persönlich und wurzelt in meiner eigenen Körpererfahrung.

Von Forrest Yoga zu Pilates: Eine notwendige Wende
Vor einigen Jahren “durfte” ich spontan in einem Fitnessstudio ein paar Wochen eine Klasse vertreten, die eigentlich eine Pilatesklasse war. Nun bin ich keine Pilateslehrerin und hatte das dem Studio auch so kommuniziert… es sollte also eine Hatha-Yogaklasse mit Core-Übungen werden. Leider wurde das Format jedoch im Kursplan nicht geändert und so fand ich mir vor über 20 Menschen wieder, die eine Pilatesklasse erwarteten. Ich unterrichte für Yoga-Verhältnisse ziemlich klar und direkt, aber dennoch: Schon beim Sitzen und Atmen rollten zwei Drittel des Kurses mit den Augen, als hätte ich sie zum gemeinsamen Om-Singen aufgefordert.
Im Laufe der Klasse wurde es nicht besser. Besonders die stehenden Posen und Umkehrhaltungen schienen vielen Teilnehmern viel zu intensiv, viele waren im Rentneralter und nicht sehr gut auf den Beinen. Die Forrest-Yoga-Bauchübungen, die ich einbaute, absolvierten sie allerdinge mühelos und ohne Murren. Das Savasana am Ende verweigerte die Hälfte des Kurses komplett, ging früher oder saß auf der Matte und starrte mich über fünf Minuaten mit großen Augen an. Irgendwie habe ich diese Klasse über mehrere Wochen hinweg überlebt und schwor mir: Nie wieder vertritts du in einem Pilates-Slot! Pilates-Leute sind echt ätzend!
In dieser Zeit unterrichtete und praktizierte ich intensiv Forrest Yoga. Die kraftvollen, tiefen Bauchübungen und die intensive Core-Arbeit haben mich stark geprägt. Doch mit der Zeit merkte ich, dass diese spezifische Belastung Probleme mit meinem Beckenboden hervorrief.
Anstatt die Übungen einfach wegzulassen, habe ich mich gefragt: Was braucht mein Körper wirklich?
Diese Frage hat mich tiefer in die Welt des Pilates geführt. Dort fand ich Antworten auf meine Beschwerden und ein neues Verständnis für funktionale Kraft. Joseph Pilates entwickelte seine Methode ursprünglich als Rehabilitation für Verletzte – mit dem klaren Ziel, den Körper ganzheitlich zu stärken, ohne ihn zu überlasten.
Die präzise, kontrollierte Art des Pilates half mir, meinen Beckenboden zu stabilisieren und meine Kraft so einzusetzen, dass sie mir langfristig guttut. Wie auch im Yoga gibt es verschiedene Pilates-Ansätze und Stile und es gibt viel zu entdecken. Auch wie im Yoga ist die Erfahrung der Unterrichtenden und auch die Qualität der Ausbildungen dramatisch unterschiedlich. Es lohnt sich also, verschiedene Kurse zu besuchen.
Dennoch fehlten mir im Pilates, auch wenn es Fokus auf die Atmung gibt, immer bestimmte Elemente des Yoga: Stehende Posen kommen kaum vor, und gerade beim Mattenpilates macht man eher weniger für Arme und Schultern (Reformerklassen sind da ausgeglichener). Und ohne Savasana ist auch doof
Yogalates: Die perfekte Symbiose
Yogalates ist für mich die logische Konsequenz aus dieser Reise. Es ist kein Trend, auf den ich aufspringe, sondern die Synthese aus dem, was ich brauche und lehren möchte:
- Die Spiritualität und Weite des Yoga: Die Verbindung von Atem und Bewegung, Achtsamkeit und Meditation.
- Die funktionale Stärke und Präzision des Pilates: Die Arbeit an der Tiefenmuskulatur und die Stärkung des Core – Elemente, die mir geholfen haben, meine eigenen körperlichen Herausforderungen zu meistern.
In meiner Fortbildung vertiefe ich genau diese Schnittstelle. Es geht mir darum, die Vorteile beider Welten so zu verbinden, dass die Praxis für den Körper nicht nur anstrengend, sondern auch heilsam und nachhaltig ist.
Was dich erwartet
Ab November biete ich Yogalates-Klassen an und möchte dich einladen, dieses Format auszuprobieren. Du wirst die Kraft und Präzision des Pilates spüren, eingebettet in die Achtsamkeit und den Fluss des Yoga. Es ist eine Praxis, die mir geholfen hat, meinen Körper wieder als ganzes, stimmiges System zu erleben – und die ich gerne mit dir teilen möchte.





