Das erste Mal Yoga: Das solltest du wissen

20190217-_GKU7329Du hast also beschlossen, dass du Yoga ausprobieren willst. Herzlich Willkommen!

Doch dann schaust du auf die Webseiten von Yogastudios und verstehst nur Bahnhof. Bikram, Kundalini, Hatha, Power, Forrest, Vinyasa, Yin… wer soll denn da bitte durchblicken? Wer noch nie Yoga gemacht hat, dem kann diese Welt ein bisschen unheimlich und vielleicht sogar ein bisschen kultmäßig vorkommen. Auf Bildern in den Medien sieht es so aus, als wüsste jeder zu 100 %, was er tut. Nachfolgend ein paar Tipps und antworten auf häufige Fragen, die ich von Yoga-Neulingen oft höre.

Wo soll ich Yoga üben?

Fitnessstudio: Na klar, es liegt auf der Hand, vielleicht hast du ja auch schon eine Mitgliedschaft in einem Studio, die du mehr ausreizen möchtest. Der Vorteil ist, dass die Teilnahme relativ günstig ist und Kurse in Fitnessstudios auch häufiger spezielle auf Anfänger zugeschnitten sind. Und natürlich kannst du vorher und nachher alle anderen Anlagen nutzen, vielleicht sogar die Sauna und den Pool. Viele Fitnessstudios bieten sogar Kinderbetreuung an.

Doch gerade im Fitnessstudio lohnt es sich, mehr über die Lehrer und den Yogastil zu erfahren. Am besten sprichst du mit der Rezeption oder einem der Trainer im Studio, welche die Trainer und Kurse kennen. Sie können dir am besten sagen, welcher Kurs für dich geeignet ist.

Der Nachteil hier: Kurse sind oft relativ groß (über 20 Leute sind keine Seltenheit), sodass auf deine individuellen Bedürfnisse weniger eingegangen werden kann. Die Räumlichkeiten sind meist eher zweckmäßig eingerichtet und man hört auch schon mal die Musik aus anderen Kursen oder dem Gerätebereich.

Yogastudio: In einem Yogastudio ist generell alles etwas ruhiger und friedlicher. Hier liegen keine Hanteln rum und niemand ist vorher mit Straßenschuhen über den Boden gelaufen, dem du beim Yoga ja sehr nahe kommst. Je nach Studio hast du hier eher die Möglichkeit, die spirituellen Aspekte des Yogas kennen zu lernen – das ist aber ganz abhängig vom Yogastil. Kurse in einem Studio kosten etwas mehr, aber die Kurse sind meist wesentlich kleiner und die Lehrer nehmen sich vor, während und nach der Stunde Zeit für jeden Teilnehmer.

Zuhause: Klar, du kannst auch zwischen zahlreichen Videos, Podcasts und mehr wählen und jederzeit, wann es dir passt, zuhause zu praktizieren. Wenn du beruflich viel reist oder im Schichtdienst arbeitest, ist es manchmal schwer, es zu öffentlichen Stunden zu schaffen. Oder du möchtest dich erst einmal herantasten und hast Angst, dich in einem Kurs zu blamieren…

Als Yogalehrerin möchte ich dir sagen: Du brauchst wirklich keine Angst haben! Die allermeisten Yogakurse sind vollkommen gemischt und ständig kommen Anfänger jeder Alterskategorie, mit unterschiedlichen Körpern und Fitnessleveln dazu.

Auch wenn du langfristig eher zu Hause praktizieren möchtest, empfehle ich jedem, zumindest für einige Wochen einen Einsteigerkurs zu besuchen, um sich die Grundlagen anzueignen. Wir sehen uns nicht selbst bei der Praxis. Selbst mit vielen Jahren Yogaerfahrung geht es mir so, dass mich andere Lehrer auf falsche Haltungsmuster hinweisen, und dafür bin ich sehr dankbar! Auch wenn du glaubst, Yoga ist eher sanft – wenn du dir eine falsche Technik aneignest, kannst du dir auf Dauer mehr wehtun, als es guttut.

Ich gebe einmal im Monat eine kostenlose Forrest Yoga Klasse per Facebook Livestream. Wenn du dabei sein möchtest, abonniere den Newsletter, um informiert zu werden.

Was soll ich anziehen? Was muss ich mitbringen?

Trage etwas, worin du dich frei bewegen kannst und worin du dich wohlfühlst. Das muss auf keinen Fall eine enge Yogaleggings sein! Die Kleidung sollte aber auch nicht so weit sein, dass sie schnell hochrutscht, wenn du dich bewegst.

Wenn du aber einen Kurs besuchen möchtest, bei dem der Raum beheizt ist, rate ich eher von Baumwolle ab, da dieser Stoff sehr schnell in einen nassen Lappen verwandelt, wenn du schwitzt.

Von Schwitzen gesprochen: Ein Handtuch ist immer lohnend, besonders, wenn du erstmal eine Yogamatte im Studio leihen möchtest. Ein großes Badehandtuch ist einfach angenehmer, da die Matten nicht überall nach jedem Kurs gereinigt werden (das gilt ganz besonders für Fitnessstudio).

Wenn du dir selbst eine Matte besorgen willst: Yogamatten sind relativ dünn, 0,2 bis 0,5 cm. Es gibt dickere Fitnessmatten aus Schaustoff, die allerdings eher für Pilates gemacht sind. Sie scheinen wunderbar zu polstern, aber leider sind sie nicht sehr rutschfest und eher nicht geeignet, um darauf zu stehen.

Eine wiederverwendbare Wasserflasche ist meist auch nützlich. Trinke gern etwas während der Stunde! Glasflaschen sind eher nicht geeignet, da schnell etwas zerbrechen kann. Nackte Füße + Boden + Scherben sind kein Erfolgsrezept.

Es gibt eine Menge „Yogaspielzeuge“ und Zubehör, das aber in Studios und auch Fitnessstudios zur Verfügung steht. Teste gern erst einmal, was sich für dich lohnt, bevor du viele Anschaffungen machst. Man muss wirklich nicht viel Geld investieren, um mit einer Yogapraxis zu beginnen.

Ist Yoga nicht religiös/spirituell? Muss man vegetarisch leben? Bin ich zu alt oder unfit, um Yoga zu machen?

Nein, nein und nein 😉

Yoga ist keine Religion. Einige Aspekte in einigen Yogastilen sind eng mit indischen Traditionen verbunden, aber der Großteil der heute angebotenen Yogaklassen ist es nicht. Dir zwingt niemand die spirituellen Aspekte auf, sie sind nur einer von vielen Teilen der Yogawelt.

Im Fitnessstudio liegt der Fokus häufig eher auf den körperlichen, „Fitness“-Aspekten von Yoga, während man in Studios therapeutischer und auch spiritueller arbeitet. Das ist eine große Verallgemeinerung: Ich unterrichte in meinen Fitnessstudio-Klassen das gleiche wie im Yogastudio. Bei beidem gibt es kein „Om“ und es wird auch nichts anderes gesungen. Atemübungen mache ich aber überall und auch meine Studioklassen haben einen körperlichen Fokus.

Du musst weder Vegetarier sein noch Nichtraucher noch keinen Alkohol trinken (naja, besser nicht direkt vor dem Yogakurs 😉). Viele Yogis befolgen ein philosophisches Prinzip, nachdem man keinem anderen Lebewesen schaden zufügen soll; aber ich habe auch schon mit anderen Yogalehrern Burgers und Pizzen gegessen!

Du bist niemals zu alt oder unfit, um mit Yoga anzufangen. Es gibt einen Stil und einen richtigen Kurs für jeden. Ich unterrichte Forrest Yoga, dort haben wir das Motto „Forrest Yoga ist for everybody who has a body“. Du musst auch nicht flexibel sein – es geht beim Yoga darum, Körper und Geist in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen, nicht darum, sich das Bein hinters Ohr zu klemmen.

Yoga bietet dir Raum, dich und deinen Körper in deinem eigenen Tempo besser kennen zu lernen, ohne Erwartungen oder Urteile.

Was sind denn bloß diese ganzen verschiedenen Yoga-Arten?

Ein gaaanz kleiner Überblick:

Hatha Yoga – Das „klassische“ Yoga. Hatha Yoga bezieht sich eigentlich auf jedes körperlich ausgeübte Yoga, bezeichnet aber heute eher eine nicht fließende Yogaform, bei der man die Posen etwas länger hält.

Vinyasa Yoga – Auch als „Flow“ Yoga bezeichnet. Sehr beliebt, ganz besonders unter jüngeren Semestern (in vielen Vinyasa-Klassen bin ich mit Anfang 30 schon alt!) – Die Posen werden fließend nacheinander eingenommen, man ist ständig in Bewegung. Für Yoga-Anfänger kann es schwer sein, zu folgen. Ja nach Lehrer wird hier oft nicht sehr auf eine gute Ausrichtung geachtet, sodass es eher für Menschen geeignet ist, die rundum gesund sind und schon Yogaerfahrung mitbringen. Oft wird hier Musik gemacht, das kann richtig Laune machen!

Bikram Yoga –  Auch bekannt als „Hot Yoga“. Eine immer gleiche Abfolge von 26 Posen. Es wird bei heißen 40 Grad geübt. Gut für alle, die den Kopf einfach mal ganz frei kriegen wollen.

Iyengar Yoga – Eine Yogarichtung, die sehr auf korrekte Ausrichtung fokussiert wird. Außerdem werden viele Hilfsmittel als Unterstützung verwendet. Die Lehrer genießen eine langwierige Ausbildung und haben sehr gutes anatomisches Fachwissen.

Forrest Yoga – Nein, kein Yoga im Wald 😉 Forrest Yoga ist an Iyengar Yoga angelehnt, man arbeitet aber etwas fließender (trotzdem langsam genug, dass genug Zeit bleibt, in sich hinein zu spüren). Besonders beim Forrest Yoga sind viele Hilfestellungen durch den Lehrer und die Möglichkeit, jede Pose an verschiedene Erfahrungslevel und auch Verletzungen anzupassen. Außerdem wird darauf geachtet, Schultern und Nacken zu entspannen und den ganzen Körper einzusetzen. Dadurch ist Forrest Yoga sehr gelenkschonend.

Yin Yoga – Ein passiver Yogastil, bei dem du dich mit viel Stille vertraut machen kannst. Yin-Yogaposen werden einige Minuten im Liegen oder Sitzen gehalten, ohne die Muskeln anzuspannen. Dadurch kannst du deinem Kopf eine Pause bieten und tiefliegende Verspannungen in Faszien und Gelenken lösen.

Meinen aktuellen Kursplan mit Forrest- und Yin-Yogakursen in Hamburg findest du hier.

 Muss ich bestimmte Verhaltensregeln berücksichtigen?

Bitte ziehe die Schuhe aus, bevor du den Yogabereich betrittst, denn wir arbeiten auch mit Händen und Gesicht sehr nah am Boden. In den meisten Yoga-Arten solltest du auch die Socken ausziehen, damit du bessern Halt auf der Matte hast (frag gerne den Lehrer, was passend ist).

Schalte dein Handy aus. Wenn du es unbedingt neben dir haben musst, schalte es auf stumm, damit du niemanden störst.

Komme pünktlich. Zu Beginn jeder Yogastunde wird das Thema der Stunde vorgestellt. Die Aufwärmübungen sind ein wichtiger Bestandteil der Stunde. Wenn du früher kommst, hast du nicht nur die Chance, eventuelle Verletzungen oder Einschränkungen mit dem Lehrer zu besprechen (bitte sei nicht schüchtern, wir sind da, um dir zu helfen), sondern auch in Ruhe mental anzukommen.

Wenn du zu spät kommst, wirst in den meisten Yogastudios vor verschlossenen Türen stehen, denn nach Kursbeginn sind keine Störungen erwünscht. Wenn du trotzdem zu spät bist und noch rein kommst, sei bitte leise, nimm dir deine Matte und richte dich ein.

Fast jede Yogastunde endet mit einer Endentspannung im Liegen. Das ist der beste Teil und keineswegs „unwichtig“! Wann bittet dich schon einmal jemand darum, still zu liegen und zu atmen, sonst nichts 😉 ?

Wenn du aber doch einmal frühzeitig gehen musst, sag es dem Lehrer möglichst vorher und verlasse den Raum leise. Wenn jemand wortlos meine Stunde verlässt, habe ich in erster Linie Angst, dass sich jemand verletzt hat oder es ihm nicht gut geht.

Was bedeutet „Namaste“? Muss ich das auch sagen?

Am Ende jeder Yogapraxis verabschieden wir uns mit dem Wort „Namaste“. Dieses Wort bedeutet so viel wie „All das Gute in mir ehrt und grüßt alles Gute in dir“. Manche interpretieren es auch als „das Heilige in mir/dir“. Es geht darum, einander Respekt zu zollen und das beste im Menschen zu sehen. Du kannst den Gruß gern erwidern, aber das musst du keinesfalls!

Ich weiß, dass viele Menschen ein Problem mit diesem Wort haben und auch mit dem „Verbeugen“ vorm Lehrer, die dabei geschieht. Das ist kein Zeichen der Unterwürfigkeit. Die Vorbeugung ist in vielen Kulturen einfach eine Grußgeste, wie bei uns das Händeschütteln. Der Lehrer steht beim Yoga definitiv nicht auf einem Podest oder soll von dir verehrt werden.

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