Der Wert der Zeit

Wer schneller lebt, ist eher fertig. (Arno Backhaus)

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Vor ein paar Tagen kam jemand im Rahmen eines Uniprojektes in meine Yogastunde. Dabei ging es darum, Teilnehmer und vor allem Yogalehrer zu Marken für Yogakleidung zu befragen. Nach der Stunde unterhielt ich mich eine ganze Weile mit ihr.

Als ich dies darauf einer Lehrerkollegin berichtete, kam als Antwort: „Hoffentlich wurdest du für diese Marktforschung bezahlt.“

Diese Reaktion hat mich absolut baff gemacht. Ich hätte nie daran gedacht, für so etwas Geld zu verlangen oder auch nur auszurechnen, wie viel Geld ich denn in der Zeit verdient haben könnte, statt diese Fragen zu beantworten. Es war ein wirklich nettes Gespräch, das mir sehr Spaß gemacht hat.

Hier in Hamburg – und wahrscheinlich jeder anderen Großstadt der Welt – lautet die Antwort auf die Frage „Wie geht es dir“ häufig: „Viel zu tun“, „Busy“.

Der Wert dieses „busy-ness“ wird unendlich hoch gemessen. In meiner Forrest Yoga Mentorship sollte eine Teilnehmerin beschreiben, wie sie Erfolg definiert. Die Antwort? „Immer ausgebucht sein, keine Zeit zu haben.“

Diese Aussagen haben mich sehr erschreckt. Viele von uns sehen es als erstrebenswertes Ziel, so viel wie möglich zu tun zu haben. Geld spielt da nur indirekt eine Rolle, bzw. wird der Höflichkeit halber nicht erwähnt. Auch in der Freizeit packen sich viele ihren Terminkalender so sehr zu, dass man drei Monate vorher fragen muss, wenn man sich auf einen Kaffee treffen will.

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Und wenn man da nicht mitmacht?
Dann stimmt mit einem was nicht, sagt die Gesellschaft. Ich weigere mich ganz strikt, meine Arbeits- oder Freizeit so zu verplanen, dass keine Zeit mehr ist für das Dazwischen. Menschliche Kontakte, Spontaneität oder auch ganz einfach: Durchatmen, rumbummeln. Wenn ich das so sage, ernte ich oft Unverständnis: Ich muss eine Faulenzerin sein, meine Eltern müssen wohl noch meine Miete bezahlen, überhaupt habe ich das Leben nicht ganz verstanden.
Muss unser Wert wirklich davon abhängen, wie voll unser Terminkalender ist? Oder packt man sich den Plan so voll, damit man sich nicht mit sich selbst konfrontiert wird?
(… wie jemand, der vor dem Savasana den Yogakurs verlässt, weil er dafür „keine Zeit“ hat…)

Und auch für die Yogalehrer (und alle, die selbstständig und/oder mit Menschen arbeiten): Hängt dein Wert wirklich davon ab, wie viele Klassen du pro Woche unterrichtest und wie viele Teilnehmer du in deinen Klassen hast. Ist es nicht viel mehr die Intensität der menschlichen Verbindung, die eine Rolle spielt? Qualität statt Quantität? Natürlich muss jeder seine Rechnungen zahlen. Aber irgendwo ist ein Punkt erreicht, an dem man durch mehr Geld nichts dazu gewinnt.

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Außerdem gibt es da noch eine andere Wahrheit, die hinter „keine Zeit“ steckt: Prioritäten.

Wenn jemand keine Zeit für einen anderen Menschen, für eine Sache hat, dann bedeutet es ganz deutlich: Dieser Mensch ist nicht wichtig. Wenn mir jemand wiederholt sagt, er hat keine Zeit, mich zu treffen, dann weiß ich, ich stehe an allerletzter Stelle, nach allem anderen. Eine wichtige Info, denn dann lohnt es sich nicht, etwas in diesen Menschen zu investieren.
Ganz pragmatisch gesehen: Man kann halt nicht auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Deswegen ist es so hilfreich, sich regelmäßig überlegen: Worauf will ich mich in den nächsten Monaten konzentrieren? Wo möchte ich mehr lernen, wachsen? Wo nehme ich mir Frei-Zeit? Muss ich jeder meiner Minuten im Leben einen Geldwert geben, oder ist die freie Zeit nicht unendlich wichtiger?

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